Vom Liebesbrunnen zum Kackstuhl

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Premiumwanderweg „Schwede-Bure-Tour“ in Oberwesel offiziell eröffnet – Foto: „Wolfgang Blum“

Oberwesel am Rhein / Mittelrhein – Am Ende waren sich alle einig: „Wir haben eine tolle Tour erlebt.“ Marion und ihre beiden Freundinnen freuten sich: „Die Landschaft, die Leute, die gute Laune – an diesen Tag werden wir lange zurückdenken. Und wiederkommen!“ Die drei waren eigens aus Buch (bei Nastätten) angereist, um an der offiziellen Eröffnung des Premiumrundwanderweges „Schwede-Bure“ in Oberwesel teilzunehmen. Die Rundtour ist eine der Routen, die als Schleifen an den Rheinburgenweg geknüpft sind. Sie führt über zwölf Kilometer vom Rhein auf die Hardthöhe hinauf, unterwegs addieren sich 460 Höhenmeter auf.

Prominentester Gast der Eröffnung war Eveline Lemke, Wirtschaftsministerin von Rheinland-Pfalz. Der Termin hätte kaum besser gewählt sein können. Als Lemke an Christi Himmelfahrt auf dem Schaarplatz das symbolische Band durchschnitt, hatte die Sonne das Tal längst geflutet.

Oberwesels Stadtbürgermeister Jürgen Port sowie Damscheids Ortsbürgermeister Christian Stahl freuten sich mit weit mehr als 50 Wanderern darauf, die Erlebnisroute kennenzulernen. „Von der Landesregierung bis zur Ortsgemeinde, von den Planern bis zum Wegepaten haben alle nur eines im Blick gehabt: Der Weg ist das Ziel“, lobte Lemke die Beteiligten. In ihrer kurzen Ansprache auf dem Marktplatz dankte sie insbesondere den örtlichen Akteuren für ihren Einsatz.

Zu diesen gehörten Werner Glockner und Birgit Wessels. Er ein Urgestein des Wanderns in Oberwesel, sie engagierte Gästeführerin des Weinortes. Die beiden begleiteten die Gruppe nach den offiziellen Grußworten auf dem Weg. Der zeigte zu Beginn gleich, was es heißt, im Welterbe Oberes Mittelrheintal zu wandern: Es ging bis zur Kapelle am Kalvarienberg kräftig bergan. Der Kreuzweg zum kleinen Kirchlein rief die Erinnerung an die Bedeutung des Feiertages Christi Himmelfahrt hervor.

Nicht weit davon wartete eine spektakuläre Besonderheit: das Felsloch am Schwedenborn. Der einstige Zufluchtsort vor den Truppen der Schweden ist längst ein romantischer Platz für Verliebte geworden. Weil die Ortsansässigen den Begriff Born (für Quelle) im Platt „Bure“ aussprechen, kam die Route zu ihrem Namen. Für Verliebte ist eine Schiefertafel aufgestellt, auf der sie sich ewige Treue versprechen können.

Wenige Minuten später öffnete sich am Landsknechtsblick zum ersten Mal die grandiose Landschaft. Oberwesel tief unten im eng eingeschnittenen Canyon des Rheins, jenseits die Felsrippe der Rosssteine am Rheinsteig, direkt gegenüber die Schönburg – prächtiger kann ein Panorama kaum sein. Nun war es nicht mehr weit bis zur Hardthöhe, wo die Wanderer im Ferienhof von Rita Lanius-Heck erwartet wurden. Die Seniorchefin servierte mit dem Team im Hof der neu eröffneten „wanderBAR“ eine kräftige Suppe, Spundekäs, Wurstknacker – und natürlich Wein.

Nach ausgiebiger Rast gliederte sich die Gruppe: Werner Glockner begleitete Genusswanderer auf einer kurzen Runde zurück ins Tal, während Birgit Wessels den kompletten Weg unter die Sohle nahm. Unterwegs begeisterte sich nicht nur Ministerin Eveline Lemke an der abwechslungsreichen Route mit Rundumblicken – auf die Wälder des Hunsrücks, in das Kerbtal der Engehöll, über das weite Geländeplateau mit satten Wiesen, auf denen der Raps gelbe Farbtupfer setzte. An einem Steinbruch lag die geologische Struktur des Gebietes klar aufgefächert vor den Wanderern, im Oberweseler Goldemund lernten sie Wichtiges über den Wein.

Am Rastplatz Guckshöll glitt der Blick entlang des Niederbachtales bis zur Martinskirche und dem Ochsenturm am Rhein. Nun war es nicht mehr weit zur Rheingoldschänke, dem gemütlichen Gasthaus von Familie Schneider. Dort stärkten sich die Wanderer mit Kuchen und Schnittchen, dazu wurde süffiger Apfelsaft vom Soonwald serviert. Obwohl noch ein Viertel des Weges vor ihnen lag, zogen Theresia und Jörg, zwei Wanderfreunde aus Emmelshausen im Hunsrück, schon hier ihr Fazit: „Der wunderbare Weg ist genau nach unserem Geschmack: Weinberge und Wald, Sonne und Schatten, Ausblicke und Einsichten – was will ein Wandererherz mehr?“

Einen traurigen Blick in die Geschichte gewährte Wanderführerin Birgit am jüdischen Friedhof. Das Gelände am steilen Hang im Wald erinnert an grausame Pogrome und mahnt zur Völkerverständigung. Der letzte Höhepunkt der Tour wartete am Aussichtsplatz am Kackstuhl. Hier soll einst ein Galgen gestanden haben. Heute bietet der Stamm mit einer Sitzhöhe von 175,7 Metern über Normalnull ein schönes Fotomotiv – das prächtige Panorama mit Oberwesel und dem Mittelrheintal gibt’s als Hintergrund on top dazu. Spätestens hier war für Anita und ihre beiden Freundinnen aus Koblenz-Metternich klar: „Der Kackstuhl ist das I-Tüpfelchen auf einer tollen Tour.“

Auch Marion aus Buch geriet am Ende noch einmal ins Schwärmen: „Liebliche Landschaften und prächtige Panoramen, dazu gesellige Leute und herzliche Gastgeber – es war einfach wunderbar.“ Die Antwort auf die millionenfach gestellte Frage hatte sie längst gefunden: „Darum ist es am Rhein so schön – und auf seinen Höhen auch.“

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Text: Tourist-Information Oberwesel im Welterbe „Oberes Mittelrheintal“
Rathausstraße 3
55430 Oberwesel

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